12. Februar 2009

Neue Studie: Wettbewerbskraft stärken, Infrastruktur koordiniert ausbauen

Umfassende Analyse der Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts zeigt Handlungsbedarf auf / Initiative „Luftverkehr für Deutschland“ fordert Flughafenkonzept

Berlin. Mit der Studie „Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland“ nimmt die Initiative „Luftverkehr für Deutschland“ eine umfassende Bestandsaufnahme der deutschen Luftverkehrswirtschaft entgegen. Diese untermauert die Bedeutung des Luftverkehrs für die international ausgerichtete Wirtschaft und das allgemeine Mobilitätsbedürfnis des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Demnach hat der Luftverkehr erheblichen Einfluss auf die Gesamtleistung der deutschen Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb. Das Wachstum der Branche ist zudem unverzichtbar für Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland. Dies hat Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), bei der Präsentation des Berichts in Berlin herausgestellt: „Deutschland ist ein starker Luftverkehrsstandort, gekennzeichnet durch hohe Verbindungsfrequenz und eine große Anzahl von Destinationen. Damit dies so bleibt und Deutschland am künftigen weltweiten prognostizierten Wachstum weiter partizipieren kann, müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ 

Die Mitverfasser der Studie waren neben dem DLR, die airconomy GmbH & Co.KG, vertreten durch ihren Geschäftsführer Dr. Philipp Goedeking, das European Center for Aviation Development - ECAD GmbH durch seinen Geschäftsführer Michael Stumpf sowie Oliver Wyman repräsentiert durch Mitgeschäftsführer Peter Walsh. 

Der „Wettbewerbsbericht“ liefert eine übergreifende Bestandsaufnahme mit Analysen und Schlussfolgerungen zur aktuellen Wettbewerbssituation des deutschen Luftverkehrssystems (Luftverkehrsgesellschaften, Flughäfen und Flugsicherung) und seinen Wachstumschancen unter den gegebenen Rahmenbedingungen. Die Institute kommen zu dem Ergebnis, dass eine zukunftsfähige und einvernehmliche Luftverkehrsstrategie erforderlich ist, um die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland nachhaltig zu sichern. Dies umfasse insbesondere den bedarfsgerechten Ausbau und die Nutzbarkeit der Luftverkehrsinfrastruktur. Ferner müssten Infrastrukturprojekte, die für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland von erheblicher Bedeutung sind, priorisiert werden. Weiterhin müsse eine konsequente Umsetzung der Harmonisierung und effiziente Nutzung des europäischen Luftraums im Rahmen von Single European Sky gewährleistet werden. 

Die Vorstandschefs der vier Unternehmen der Initiative „Luftverkehr für Deutschland“ unterstrichen die Bedeutung der Studie vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise und ihrer Auswirkungen auf die Branche. „Der Luftverkehr findet in regelmäßig erstellten großen Wirtschaftsberichten kaum Berücksichtigung, diese Lücke schließt der vorliegende Bericht“, so Dieter Kaden, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. Kaden weiter: „Gerade in Zeiten einer gesamtwirtschaftlichen Abwärtsbewegung muss das Potential des Luftverkehrs als Wachstumsbranche deutlich gemacht werden.“ 

Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, unterstrich, dass die Luftverkehrswirtschaft in Deutschland dann Arbeitsplätze und die notwendigen Anbindungen an den internationalen Luftverkehr sicherstellen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. 

„Wir verlangen keine Subventionen, können aber auch keine zusätzlichen Belastungen vertragen, seien es Nachtflugverbote, einseitiger Emissionshandel, Gebührensteigerungen oder übertriebene Auflagen bei geplanten Zusammenschlüssen. Die Luftverkehrsindustrie liefert ein hervorragendes 

Konjunkturpaket, das ohne staatliche Zuschüsse funktioniert. In Deutschland und 

in der EU müssen jetzt zügig Strukturen geschaffen werden, mit denen wir langfristig im globalen Wettbewerb bestehen können. Deutschland ist im besonderen Maße auf effizienten Luftverkehr angewiesen. Wir sollen Luftfahrt nicht als Störfaktor, sondern als Chance verstehen.“ 

„Auch bei uns bleibt die Wirtschaftskrise mit deutlich sinkenden Flugverkehrszahlen nicht ohne Folgen. Unsere Erfahrung ist jedoch, dass der Luftverkehr im Anschluss an derartige Entwicklungsdellen sogar wieder überproportional wächst“, sagte Prof. Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Deshalb müsse nicht nur an Ausbauplänen an besonders nachgefragten Flughäfen festgehalten werden. Im Gegenteil müssten mittel- und langfristige Entwicklungen bei der Flughafeninfrastruktur deutschlandweit bedarfsgerecht und koordiniert erfolgen. 

Ein rechtlich verbindliches Flughafenkonzept des Bundes mit einem klaren Bekenntnis zum Luftverkehr und zum bedarfsgerechten Ausbau der Flughäfen, das mit konkreten Maßnahmen hinterlegt ist, sei daher von vorrangiger Bedeutung. 

Dr. Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, wies ausdrücklich darauf hin, dass die Luftverkehrswirtschaft keine finanzielle Unterstützung des Staates fordere, wie so viele andere Branchen: „Indem wir in München wie an anderen Standorten gerade jetzt – also im Zeichen eines konjunkturellen Abschwungs – an unseren Erweiterungsplänen festhalten, agieren wir als privatwirtschaftlich organisierte Wirtschaftsunternehmen im Einklang mit den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung. Anders als die Konjunkturprogramme der öffentlichen Hand kosten die Infrastrukturmaßnahmen der Luftverkehrspartner den Steuerzahler jedoch keinen Cent“, erklärte Kerkloh. Dafür müsse allerdings gewährleistet sein, dass Flughafenbetreiber auch künftig in der Lage sind, Fremdkapital zu finanzierbaren Konditionen aufzunehmen.